pir sultan abdal


Es existiert kein genaues Wissen bezüglich seines Lebens. Er soll im Dorf Banaz bei Sivas geboren worden sein. Sein eigentlicher Name ist Haydar. Ohne unter dem Einfluss der Divan-Literatur geblieben zu sein und unter Anlehnung an die mündlich überlieferte Volksliteratur hat er eine eigene klare Sprache entwickelt.

 

Die Taten dieses blutigen Despoten

Lassen mich wie eine unsichtbare Nachtigall schluchzen

Steine, wie Regen, regnen auf meinen Kopf

Das Fingerschnipsen meines Freundes teilt mich in Stücke

In diesen schweren Tagen wurde es klar, wer Freund, wer Feind ist

Hatte ich zehn Leiden, so sind es nun fünfzig

Die Todesverfügung hängt um meinem Hals

Wenn es notwendig ist, hängen sie mich, oder erschießen mich

Ich bin Pir Sultan Abdal,

 

Leben steigt nicht aus meiner Brust

Wenn von Gott nicht befohlen so fällt kein Regen

Der Stein dieser feindlichen Hände kann mir nichts anhaben.

Aber die Rose meines Freundes verletzt mich Ihr "erenler" (Anruf der Derwische) oben und unten

Kommt mir zu Hilfe, das Leid hat mich eingefangen

Mein Kopf ist gefangen, wohin soll ich gehen

Wohin immer ich auch gehe, das Leid findet mich.

 

Es setzt sich mit mir und betete

Es log und lachte mir ins Gesicht

Es wurde ein gebogener Säbel und kam über mich

Das Leid hat mich in Stücke zerrissen

Der über mich kommende Buran (starker Wind),

wie Winter In seiner Pranke ein kleiner Falke,

wie ein Vogel In der Morgendämmerung ein Traum

Unter Schreien hat das Leid mich eingefangen

 

Ich bin Pir Sultan Abdal, meine Seele ist krank

Ich kann es niemandem sagen, meine Seele ist in Trauer

Ich weiß nicht, bin ich verrückt, bin ich ein Meister

Wie eine Leidenschaft verbreitete sich das Leid

Ich bin Reisender und wandere durch diese Welt

Ich konnte keinen Freund finden, obwohl der Tag bereits Abend wurde

Meine eigenen Gedanken lese und schreibe ich

 

Ich konnte keinen Freund finden, obwohl der Tag bereits Abend wurde

Meine zwei Hände können sich nicht mehr von den Knien erheben

Ich weiß nicht, durch mein Verhalten,

oder durch mein Selbst Flossen blutige Tränen aus meinen Augen

Ich konnte keinen Freund finden, obwohl der Tag bereits Abend wurde

Wieder stürmte es auf der Spitze des Berges

Aus meinen Augen flossen Blut und Tränen

Der Anvertrautes nimmt ist auch Gebender

Ich konnte keinen Freund finden,

obwohl der Tag bereits Abend wurde

 

Der Zirkel dieser Welt ist kaputt

Schade um mein Leben, schade

Alle Stücke sind verbraucht, es ist nichts Eßbares übrig

Ich konnte keinen Freund finden,

obwohl der Tag bereits Abend wurde

Ich bin Pir Sultan,

jetzt aber tauche ich in das Weltmeer

Die Gegangenen sind nicht zurück gekommen,

um mir Nachricht zu geben

Ich wurde Abdal,

vor einiger Zeit trug ich Bekleidung aus grobem Stoff

Ich konnte keinen Freund finden,

obwohl der Tag bereits Abend wurde

 

So beschreibt Pir Sultan Abdal den Glaubens- bzw. Gedankenaufstand des Volkes in seinem Gedicht. Er und viele andere seines Charakters haben mit ihren Werten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, den Islam mit menschlichen Werten zu ergänzen und damit einen Volksglauben zu schaffen, der die Schariat eindeutig ablehnt. " Sollten die Richter und Mufti mich verurteilen, Sollten sie mich erhängen, Sollten sie mich köpfen, Ich werde von meinem Weg nicht kehren." Bei Pir Sultan Abdal existieren zwei Welten, die wiederum miteinander verbunden sind, so daß ohne die eine die andere nicht sein kann. Eine der beiden Welten enthält im allgemeinen die Werte aus den Zeiten vor der Zivilisation und speziell die Werte der Völker, die mit deren Wanderung von Asien nach Anatolien mitgeflossen sind. Dies ist die Welt, die von eh her von der Menschheit umarmt wurde, aber stets von seiten der Unterdrücker mit der Vernichtung bedroht war. Dennoch wurden diese Werte des Alevitentums am Leben erhalten. Dabei bedienten sie sich batinitischer Ordensstrukturen. Pir Sultan Abdal ist die nährende Quelle für die Welt der Pir Sultan Abdals. Fern der Orthodoxie ist er ein Teil göttlicher, weltlicher Quelle an sich. Die Leistung der Gegner Pir Sultans ist darin zu sehen, daß sie sich von einer Soziologie der Volksgruppe zu einer Soziologie der Gesellschaft entwickelt haben. Die Welt ist eine Welt, in der Werte, die die Menschheit in 7000 Jahren geschaffen hat, wie Teilen, Solidarität, und Gleichheit immer wieder neu interpretiert werden müssen, um gesellschaftliche Konflikte zu lösen. Man muß seine traditionelle Quelle oder Herkunft immer wieder hinterfragen, um Logik und Wissen im Volk zu verbreiten. In diesem Zusammenhang ist das "sich organisieren" des Volkes eine Soziologie; und damit die Grundlage für den Kampf um Demokratie und Laizismus. Dieser leitende Gedanke im alevitischen Denken beinhaltet zugleich:- Die Liebe zur Natur, die Beziehung zur Natur, die Kritik am Menschen durch Nachfragen der Natur.


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